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[Alukoffer] Marke Eigenbau

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Als ich mir im Jahr 1991 die "Suzuki DR 650R Dakar" zugelegt hatte, da wusste ich schon das das Thema "Motorradreisen" für mich einmal einen ganz großen Stellenwert einnehmen sollte. Was lag also näher, als dieses Motorrad für zukünftige Touren entsprechend auszurüsten.

1991 war nicht das Jahr, in dem man von einer Internetrevolution sprechen konnte. Die Möglichkeit, Preise und Artikel untereinander zu vergleichen war nicht ansatzweise so opulent wie zu der heutigen Zeit. War es überhaupt schon möglich? Ich kann mich nicht mehr erinnern! Es war zumindest die Zeit, in der ich fast alle auf dem Markt befindlichen Motorradzeitschriften verschlungen habe. Sehr viel mehr Informationsquellen zu dem Thema Motorrad, Reisen und Zubehör, gab es ja auch nicht.

Alle Motorradreisenden, die damals schon etwas auf sich gehalten haben, haben unbedingt versucht, Alukoffer an Ihr Motorrad zu schrauben. Einen Zubehörartikel wie Alukoffer, sieht man heute "an jeder Ecke", für fast alle Motorräder. Mittlerweile sind sie auch erschwinglicher als früher. Früher war das anders. Wer einen Alukoffer an seinem Motorrad hatte, der war ein echter Superheld und jemand, der die Welt schon mindestens einmal umrundet hat. So sah es zumindest immer aus.

Alukoffer an der BMW R1200 GS Rallye Alukoffer an der BMW R1200 GS Rallye

Das Problem im Jahr 1991 war jedoch, dass die Nachfrage und Produktion von Alukoffern noch so gering war, dass diese Teile im Handel - aus meiner Sicht - extrem teuer waren. Umso glücklicher war ich, als in diesem Zeitraum die Zeitschrift "Motorradfahrer", oder so ähnlich, einen Bericht veröffentlichte, in dem der Eigenbau von Alukoffern nach Anleitung plötzlich möglich war.

Und hier beginnt meine eigentliche Geschichte...

Mein handwerkliches Geschick ist gut, das meines Vaters im Zusammenhang mit der Metallverarbeitung, jedoch um Lichtjahre besser. Er war heiß, ich war es auch. Was lag also näher, als sich an das "Projekt Alukoffer" für mein neues Motorrad heranzuwagen.

Unser gemeinsames Projekt wurde dann auf eine grandiose Art und Weise vollendet:

  1. Die bis jetzt ununterbrochen genutzten Alukoffer bestehen ausschließlich aus "Einzelteilen", die jederzeit getauscht werden können.

  2. Das Aluminiumblech ist rundherum 1,6 mm stark. Die rundherum geführten Winkelleisten haben eine maximale Stärke von 2,0 sind alle mit den Wandblechen verschraubt und durch Silikon gegen Wassereintritt abgedichtet.

  3. Die in Fahrtrichtung nach vorne, nach unten und nach hinten zeigenden Seiten bestehen aus einem Blech und sind als "U" gekantet. Lediglich die nach außen und nach innen zeigenden - großen Bleche - sind Einzelteile, die mit den Winkeln verschraubt wurden.

  4. Meine Koffer haben auf beiden Seiten die gleiche Größe und wurden einmal so konstruiert, dass ein Motorradhelm sicher Platz darin findet. Mittlerweile sind auch die Motorradhelme immer größer geworden und somit ist diese Ideologie leider nicht mehr vakant.

  5. Die Koffer wurden dann mit einem - von der Firma DÄRR zur Verfügung gestellten - "Universal Anbausatz" versehen und konnten s für jeden Hepco & Becker - Träger an allen nachfolgenden Maschinen montiert werden.

Die Idee war soweit sehr gut. Jedoch stellte sich bei den nachfolgenden Motorradmodellen heraus, dass sowohl die Höhe der Koffer immer erneut angepasst werden musste, als auch die veränderte Lage der Auspuffrohre immer wieder einen größeren und einen kleineren Koffer an den verschiedenen Seiten gebraucht hätten. Ich hätte das mit den verschieden großen Koffern jetzt immer irgendwie anpassen, oder aber die Koffer einfach beiseite stellen können. Die unterschiedliche Größe für links und rechts war mir jedoch scheißegal. Mir ist doch völlig egal, ob die Koffer von hinten asymmetrisch ausgerichtet sind, oder nicht. Mittlerweile hatte ich die Koffer an vier verschiedenen Motorradmodellen montiert. Und immer musste die Höhe der Koffer angepasst werden. Die Rückwand der Koffer, an denen ich den "Universal Befestigungssatz" immer wieder neu montiert hatte, sieht mittlerweile aus wie ein Schweizer Käse. Die alten Bohrlöcher habe ich dann mit Gummistopfen wieder verschlossen.

Mittlerweile habe ich den "Universal Befestigungssatz" gegen einen von der FIRMA TOURATECH ausgetauscht, der deutlich leichter und angenehmer am Kofferträger zu befestigen ist.

Ein weiteres Problem in den früheren Jahren war der Aluminiumabrieb in den Koffern, den ich mit dem Verkleben von Neoprenplatten versucht habe, zu mildern. Die Verklebung war aber für meine Qualitätsansprüche auf Dauer nicht ausreichend und somit habe ich nach vielen Jahren alles wieder herausgerissen und anschließend per Sandstrahlung möglichst "neutral" wieder hergestellt...

Alukoffer an der BMW R1200 GS Rallye

Mittlerweile habe ich jedoch in Kofferinnentaschen investiert, die es so in den früheren Zeiten auch nicht gegeben hat. Die letzte große Revision an den Koffern habe ich gemacht, als ich sie an meiner großen 1200er BMW verschrauben wollte und dabei festgestellt habe, dass die Anzahl der Löcher an der Rückwand doch mittlerweile zu viel des Guten sind. In der Konsequenz habe ich mir also beide Rückwände neu auf Maß schneiden lassen und habe eine dickere Materialstärke (2,0 mm) gewählt, so dass die zukünftigen Belastungen an der Rückwand kein Problem sein sollten. Durch die einfache Verschraubung und das Abdichten mit Silikon habe ich ganz bequem den Ursprungszustand der Koffer wieder hergestellt, ohne irgendeine Einbuße in Kauf nehmen zu müssen.

Fazit:

Für sensible Gemüter und Perfektionisten ist diese Vorgehensweise wahrscheinlich weder verständlich noch nachvollziehbar. Jedoch haben diese Motorradkoffer mittlerweile ein Alter von über 25 Jahren erreicht und sie funktionieren noch genauso perfekt, wie am Anfang der Montage. Sie haben mich über all' die Jahre mit all' den Kilometern und Belastungen nie im Stich gelassen und mich und mein Urlaubsgepäck immer zuverlässig und trocken von A nach B transportiert.

Alukoffer an der BMW R1200 GS Rallye Alukoffer an der BMW R1200 GS Rallye

Diese Koffer haben nach all' den Jahren endlich die nötige Patina und das Aussehen, welches an einen Globetrotter erinnert. Sie sind eine Reminiszenz an die "gute, alte Zeit". Und ich habe weder jetzt, noch in Zukunft vor, diese Koffer, die ich als "Karlheinz Ahlers - Gedächtnis - Koffer" benenne, jemals zu tauschen. Basta!

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