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[Ralf Ahlers] [Neue Strasse 8] [DE-38533 Vordorf]

Enduroland Senftenberg 1995

Bewertung: 5 / 5

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Enduroland Senftenberg 1996

KRADBLATT 09 / 96 [Ralf Ahlers / Text und Fotos]

Reisebericht: Enduroland Senftenberg©: Spaßfaktor 1

Das "Enduroland Senftenberg" lag mir schon seit langem angenehm quer im Magen. Ein verlängertes Wochenende und die Strecke von ca. 350 km ließen sich jedoch bisher nicht in Einklang bringen. Nach diversen Berichten und Reportagen in allen möglichen Fachzeitschrift war ich jedoch nicht mehr zu halten.

Alle Publikationen auf dieser Homepage (inklusive Lesererfahrung: SUZUKI DR 650R DAKAR und SUZUKI DR 800S Big) sind von mir persönlich erstellt, organisiert und den entsprechenden Verlagen zum Kauf angeboten worden. Ausnahme: Der Bericht Ostharz wurde mit Unterstützung meines langjährigen (Motorrad-) Kollegen Frank Bordtfeld initiiert und durchgeführt.

WICHTIG! ICH HABE ALLE RECHTE AN DEN VERLAG ABGETRETEN! DAS HEISST: Der Nachdruck einzelner Artikel, oder Auszüge aus denselben und die Vervielfältigung und Verbreitung mittels elektronischer Medien sind nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages gestattet.

Nun wurde also mit Freunden ein Termin abgestimmt und alles zur Verfügung stehende Informationsmaterial zusammengetragen. Während mir der Fremdenverkehrsverein Senftenberg bereitwillig jede Auskunft und Information zukommen ließ, tat sich mein Ansprechpartner vor Ort, Herr Andreas Kiel, etwas schwer. Nach mehrmaliger Aufforderung kamen schließlich doch die gewünschten Unterlagen, aus denen dann sowohl die Preise, als auch die Art der Aktivitäten vor Ort hervorgingen.Von allen zur Auswahl stehenden Optionen haben wir uns für die geführte Spreewald - Tour inkl. sechs Mahlzeiten, zwei Übernachtungen, freier Benutzung der Enduro / Moto Cross - Strecke und Kahnfahrt im Spreewald entschieden.

Enduroland Senftenberg 1995

Der Komplettpreis beträgt für die Veranstaltung (lt. Prospekt) DM 275,00. Mittlerweile war unser Tross auf fünf verschiedene Enduros angewachsen. Im Team waren jetzt eine SUZUKI DR 350, SUZUKI DR 650 R, Yamaha XTZ 660, Honda Africa Twin 750 und eine BMW 1100 GS, also ein durchaus repräsentativer Querschnitt. Endlich war es soweit. Am Freitag vor Pfingsten, den 17. Mai, ging es los. Wir rechneten mit einer Fahrzeit von fünf Stunden inklusive Pausen. Von der Autobahnausfahrt Klettwitz (A 13) waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Ziel - dem "Enduroland Senftenberg".

Das Gebäude mit der Aufschrift "Motel" ist Restaurant, Anmeldung und Treffpunkt zugleich. Der etwas unscheinbare Eindruck täuscht, das Restaurant ist sauber und gepflegt, das Personal freundlich und zuvorkommend.

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Nach der Schlüsselübergabe gab es die ersten groben Instruktionen für die Benutzung der Strecke: Die mit roten Pfeilen gekennzeichneten Geländepassagen gelten als sehr schwierig (für Anfänger oder ohne Moto Cross - Maschine nicht zu empfehlen), die blauen hingegen sind auch nicht ohne, aber zu bewältigen. Und die gelben Pfeile (ich habe kaum welche gesehen) kürzen die blaue Strecke ab. Aha!

Die erste Ausfahrt verlief nicht ganz so toll, da wir ohne Sinn und Verstand losgebrettert sind. Alles was befahrbar aussah, wurde auch befahren. Dabei kam nicht so der richtige Spaß auf, zumal wir uns einige Male verfahren hatten. Völlig erschöpft und mit der festen Vorgabe, es beim nächsten Mal besser und kontrollierter angehen zu lassen, erfrischten wir uns im Bungalow. Kurze Zeit später starteten wir die zweite Ausfahrt des Tages. Doch dieses Mal orientierte sich der Fahrer an der Spitze streng an den blauen Pfeilen. Der Anhang folgte ihm auf dem Fuße, und siehe da, der Fahrspaß stellte sich prompt ein.

Alter Schwede...! Mit der geschotterten Strecke vor der Haustür hatte diese Sache nichts mehr gemein. Auf engen und ausgewaschenen Forstwegen, die kaum breiter sind als das Motorrad, ging es zuerst etwas vorsichtiger, mit steigender Begeisterung auch etwas forscher zur Sache. Schöne enge 90° - Kehren, lange staubige Geraden und gefährlich aussehende Steilauf- bzw. -abfahrten forderten die volle Konzentration und den ganzen Körpereinsatz der Fahrer. Tiefe Fahrspuren, die fast die ganze Maschine verschlucken, machten die Ausfahrt zur echten Quälerei und leider auch zum materialmordenden Vergnügen. Einige Stürze forderten sowohl das Selbstvertrauen der Fahrer als auch Blinkergläser und Sturzbügel.

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Die Vielzahl der verschiedenen Möglichkeiten zum Abbiegen führten dazu, daß wir dreimal an derselben Stelle vorbeifuhren. Das war umso ärgerlicher, weil die Strecken verdammt anstrengend waren.Als wir am späten Nachmittag in der Unterkunft eintrafen, waren wir dreckig, durchgeschwitzt und mit der Kondition am Ende. Das vergleichsweise schwere Stück, in der Nähe der Moto - Cross - Strecke liegt etwas erhöht auf einem Plateau. An der "Kreuzung" lässt man das Moto - Cross - Gelände einfach links liegen und sieht zu, daß man irgendwie auf diese Anhöhe gelangt. Dort oben erwartet einen dann eine Sektion, die schon fast in Quälerei ausartet.

Entweder fährt man dort mit einer sehr leichten Maschine, oder aber mit einem ordentlich stabilen Motorschutz umher. Die Strecke ist gespickt mit engen Walddurchfahrten, Sand, Schlamm oder extrem ausgefahrenen Spuren. Trotz ausreichender Bodenfreiheit der Enduros hört man immer wieder Steine, Sand oder querliegende Baumstämme am Aluschutz schrammen. Die Maschinen schlugen sich alle ausgesprochen gut.

Ein dickes Kompliment gebührt den Fahrern der Africa Twin und der BMW, verlangten doch beide Maschinen oftmals einen beherzten Dreh am Gasgriff und eine ordentliche Portion Mut. Die sehr kurz übersetzten ersten Gänge erleichterten das Handling der großen Brocken ganz erheblich. Das die DR 350 hier in ihrem Element war, bedarf sicherlich keiner zusätzlichen Erklärung. Sehr leicht und unglaublich flink ließ sich dieses Motorrad um alles herumzirkeln, was irgendwie im Weg lag. Eine echte Spaßmaschine also. Die DR 650 und XTZ 660 haben von allem etwas.

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Lange Federwege und ein recht angenehmes Gewicht. Die vielen Verkleidungsteile und die Kopflastigkeit der Yamaha verlangten aber nach vorausschauender Fahrweise. Ein Sturzbügel verhinderte - in unserem Fall - das allerschlimmste. Leider ist das Getriebe der SUZUKI DR 650 in den unteren Gängen derart besch ... abgestuft, daß ohne ein 15er Ritzel von der 600er fast nichts läuft. Mit ein paar Änderungen lässt es sich in wenigen Minuten aber gegen das Original tauschen.

Total fertig, begaben wir uns um 20.00 Uhr in das Restaurant. Kein Mensch störte sich an unserem Outfit, geschweige denn an unserem Geruch. Es gab günstige, reichhaltige Hausmannskost. Erst gegen 23.00 Uhr stiefelten wir mit vollem Bauch und schweren Gliedern der lang ersehnten Dusche entgegen.

Am nächsten Morgen sollte es gegen 9.00 Uhr mit insgesamt elf Personen auf die Spreewald - Tour gehen, ein Ereignis, auf das wir uns schon gewaltig freuten. Die Teilnehmer waren: der Tourguide, wir fünf, ein Freund aus Erfurt mit seinen drei Kumpels sowie, als Schlussmann, der "Lumpensammler". Wenn bis eben auch noch Schlaf in den Augen einiger Personen zu sehen war, so änderte sich dieser Zustand jäh. In forciertem Tempo und ohne jegliche Vorwarnung schoss unser Führer davon. Während der ersten Kilometer benutzten wir den gleichen Trail wie am Vortag.

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Dann ein Stopp. Unser Weg wurde von einer etwa 1,20 mtr. hohen alten Pipeline versperrt. Davor wurde etwas Sand angeschaufelt und festgetreten. Keiner der Teilnehmer sagte ein Wort. Alle warteten, was passieren sollte, bis der Guide es uns vormachte. Mit spielerischer Leichtigkeit sprang er mit seiner KTM über das Hindernis. Die tiefen Schrammen auf der Pipeline und der Gruppenzwang trugen dazu bei, daß alle anderen mehr oder weniger schnell das Hindernis überwanden. Mit Hilfestellung an jeder Seite wurde einem Umfaller vorgebeugt.

Das Selbstvertrauen war gestärkt und sorgte für ein gesteigertes "Wir - Gefühl". Und während der Tourguide mit Turnschuhen und dem gelupften Vorderrad seiner KTM die Richtung vorgab, folgte die Meute in einer dichten Staubwolke. Wir hatten ca. 120 Kilometer Strecke vor uns, davon 80% auf unbefestigten Wegen. Kleine Ortschaften durchquerten wir in gemäßigtem Tempo und konnten so am besten die Umgebung in uns aufnehmen. Die Fahrzeit betrug etwa vier Stunden, dann kamen noch einmal zwei Stunden Bootsfahrt auf der Spree hinzu.

In Lübbenau angekommen, erreichten wir den Tourismus in Reinkultur: Hawaiihemden, bunte Shorts und Preisfeilscherei an den Souvenirläden. Waren wir hier richtig? Anscheinend ja, denn unser Boot wartete schon auf uns. Also alle Mann rein ins Boot und Motoren gegen echte "Männerkraft" getauscht. Der Fährmann am Heck unseres Bootes stach beständig und ohne Pause in den lehmigen Untergrund und erinnerte uns so ein klein wenig an die Gondoliere in Venedig.

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Okay, die Fahrt hat etwas zu lange gedauert (2,5 Stunden) und die Hitze war nahezu unerträglich, aber alles in allem war es eine schöne und erholsame Sache. Die Rückfahrt verlief ähnlich anspruchsvoll wie die Hinfahrt. Dichte Staubwolken, Sandfelder in engen Kurven und Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h mitten im Wald waren über weite Teile der Strecke als sehr gefährlich einzustufen. Manch einer verabschiedete sich unfreiwillig in den Wald, bzw. in einem tiefen schwarzen Wasserloch.

Glücklicherweise blieben diese Ausrutscher ohne Folgen. Um 16.00 Uhr waren wir wieder zu Hause. Über alle Maßen erschöpft, durchgeschwitzt und unheimlich dreckig waren wir in einem rauschähnlichen Glückszustand. Alles, was heute aus den Fahrern und den Motorrädern herausgeholt wurde, haben viele sich nicht im Traum vorstellen können. Das Gemeinschaftsgefühl und die persönlichen Grenzen wurden ganz neu definiert. Der Abend verlief ähnlich wie der vorherige. Deftiges Essen und ein paar Bierchen ließen jeden Hügel doppelt so hoch und jede schwierige Passage noch schwieriger aussehen.

Für den Vormittag des Pfingstmontag hatten wir wieder ein strammes Programm. Obwohl es wahrscheinlich nicht ganz legal war, hatten wir uns vorgenommen, uns einmal die aktiven Kohlegruben aus der Nähe anzusehen. Zu groß war die Neugierde, die uns in diese riesigen und wahnsinnig tiefen, scheinbar endlosen Löcher hineintrieb. Der schwarze Kohlestaub ließ keine zügige Fahrweise zu, wollte man es sich nicht mit seinen Mitfahrern verscherzen. Neugierig nahmen wir alles Neue in uns auf. Vor allem aber die riesigen Förderkräne weckten unser Interesse.

Sicherheitskräfte des Geländes wiesen uns jedoch recht bald freundlich in unsere Schranken. Bevor wir umkehren mussten, gaben sie uns allerdings noch bereitwillig Auskunft. Es flogen Zahlen, Fakten und Geschichten hin und her. Pläne für die in den nächsten Jahren anstehende Rekultivierung wurden uns erläutert. Danach soll an der Stelle, wo wir uns befanden, einmal ein Jachthafen entstehen. Wir bedankten uns für diese wirklich interessante Lehrstunde und verabschiedeten uns in Richtung Enduropark.

Ein Resümee der vergangenen drei Tage fällt sehr leicht. An- und Abfahrt klappten reibungslos und es gab keine Ausfälle zu beklagen. Schrammen, Kratzer, Stürze und blaue Flecken schon, aber ohne gravierende Folgen. Die Betreuung vor Ort war tadellos, die Organisation bezüglich der vorher vereinbarten Preise laut Prospekt, ließ jedoch zu wünschen übrig. Da wir im Nachhinein jedoch weniger bezahlt haben, wollen wir mal nachsichtig sein. Eine Bitte um Zusendung der möglichen Aktivitäten ist ratsam. Ansprechpartner ist Andreas Kiel, Telefon / Fax 03573-2841.

Ohne jegliche Enduroerfahrung ist zumindest die Spreewaldtour nicht ganz ungefährlich. Sie wurde teilweise in einem so schnellen Tempo gefahren, daß selbst geübte Fahrer unter Zeitdruck gerieten. Die abschließende Frage an alle Teilnehmer bezüglich des Spaßfaktors wurde einhellig mit "sehr hoch" beantwortet. Das nächste lange Wochenende kommt bestimmt ...


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